AET – Arbeitseffizienztest

Ein Eignungsdiagnostisches Verfahren für Büroberufe

von Kristin Conzelmann (geb. Seidel) und Martin Kersting

Einsatzbereich

[Foto] Tests_Kersting_aDer Arbeitseffizienztest (AET) erfasst, wie effizient, also wie fehlerfrei und schnell, jemand Aufgaben mit komplexen Informationen eines vergleichsweise geringen Schwierigkeitsgrades bearbeitet. Der AET stellt sowohl Anforderungen an das schlussfolgernde Denken als auch an die Arbeitsgedächtniskapazität und die Bearbeitungsgeschwindigkeit. Er erlaubt daher eine simultane Messung der genannten drei etablierten Fähigkeiten. Die Aufgaben des AET provozieren sowohl den Neuerwerb einer Fertigkeit als auch die Entwicklung von Routinen. Somit grenzt sich der Test sowohl gegenüber Konzentrations- / Geschwindigkeitstests als auch gegenüber Aufgaben des schlussfolgernden Denkens ab. Erstere sind von vornherein schon automatisiert und schließen explizite Lern- und Gedächtnisprozesse aus. Bei Letzteren ist eine Prozeduralisierung meist nicht möglich, da das Ausmaß an beanspruchter Kapazität nur begrenzt durch Übung vermindert werden kann.

Arbeitseffizienz ist in vielen Lebensbereichen, insbesondere aber im Beruf und vor allem in Büroberufen relevant. Der Test ist in erster Linie auf die Eignungsdiagnostik in Büroberufen zugeschnitten und eignet sich sowohl für die Personalauswahl als auch für die Personalplatzierung sowie für einen Einsatz im Rahmen der Berufswahl und -beratung. Die semantische Einkleidung der Aufgaben im Berufs- / Bürokontext steigert die Akzeptanz des Tests. Der Test orientiert sich an den Kriterien der DIN Norm 33430 für Eignungsdiagnostik. Zusätzlich zu den genannten Einsatzbereichen kann der Test für Bildungsstandsmessungen genutzt werden. Angemessen ist schließlich auch ein Einsatz in der Rehabilitations- sowie in der Klinischen Psychologie.

Das Verfahren

Der AET umfasst zwei Aufgaben, die Aufgabe E-Mails Bearbeiten (EM) und die Aufgabe Gehaltsbestimmung (GH).

Bei der Aufgabe EM wird, auch in der Papier-Bleistift-Version, die Bearbeitung des E-Mail-Posteingangs simuliert. Der Testteilnehmer stellt sich vor, in einem Sekretariat zu arbeiten und die eigenen E-Mails (=Items) sowie die des Vorgesetzten zu bearbeiten. Das Bearbeiten der Aufgabe geschieht durch die Einsortierung der E-Mails in einen von drei verschiedenen Ordnern: Bearbeiten, Weiterleiten oder Speichern. Zusätzlich muss beim Einsortieren berücksichtigt werden, in welchem Quartal die E-Mail versendet wurde und ob sie aus der eigenen oder einer fremden Firma stammt. Am Ende ist eine Lösungsziffer auf dem Lösungsbogen zu markieren.

Bei der Aufgabe GH muss die Gehaltsgruppe von Außendienstmitarbeitern einer Firma bestimmt werden, die für den Verkauf von Mobiltelefonverträgen zuständig sind. Die Testpersonen erhalten dazu eine Übersicht mit verschiedenen Tabellen und eine Kurzbeschreibung mit formalen Informationen (z. B. Alter) zum Mitarbeiter. Anhand der Mitarbeitermerkmale muss die Testperson ein Fixum sowie eine leistungsabhängige Provision miteinander verrechnen. Das Fixum ist abhängig vom Alter und von der Berufserfahrung des Mitarbeiters und muss aus einer Kreuztabelle abgelesen werden. Die Höhe der Provision richtet sich nach der Menge der verkauften Verträge und der Wahrnehmung von zusätzlich übernommenen Führungsaufgaben. Bei Nutzung eines Firmenwagens muss ein bestimmter Umfang an Gehaltspunkten abgezogen werden. Irrelevante Informationen (z. B. Angaben zum familiären Status) müssen für die Berechnung der Gehaltsgruppe ausgeblendet werden. Im Anschluss an die Verrechnung von Fixum und Provision wird das Ergebnis in eine Gehaltsgruppe übertragen, die auf dem Antwortbogen markiert werden muss.

Die beiden Aufgaben können sowohl einzeln als auch gemeinsam eingesetzt werden. Der AET kann als Einzel- oder Gruppentest durchgeführt werden. Er liegt als Papier-und-Bleistift Test und als computergestützter Test im Rahmen des Hogrefe Testsystems (HTS) vor.

Zuverlässigkeit

Die Zuverlässigkeit des Tests wurde über die Berechnung der internen Konsistenz, der split-half-Reliabiliät sowie der Retest-Reliabilität bestimmt. Bei Speedtests stellt sich allerdings eine Scheinkonsistenz ein, die sich in künstlich erhöhten Konsistenzwerten bemerkbar macht. Zur Bestimmung der internen Konsistenz des AET wurde aus diesem Grund eine von Gulliksen vorgeschlagene Korrektur des Konsistenzkoeffizienten angewandt. Für die Normierungsstichprobe ergibt sich eine entsprechend korrigierte Schätzung der internen Konsistenz von 0.885 für EM, 0.80 für GH und 0.91 für den gesamten AET. Die korrigierten Split-Half-Reliabilitäten betragen .82 für EM, .86 für GH und .88 für den Gesamttest. Anhand einer Stichprobe, die die AET Bearbeitung nach fünf Monaten wiederholte, wurde die Retest-Reliabilität bestimmt, sie beträgt für den AET Gesamtwert .77.

Gültigkeit

Die Konstruktgültigkeit des Tests wurde über Strukturanalysen sowie über umfangreiche Studien zur konvergenten und diskriminanten Validität nachgewiesen. Als Nachweis der konvergenten Validität können die substantiellen Zusammenhänge zwischen den Ergebnissen im AET und Indikatoren der Bearbeitungsgeschwindigkeit (BIS-4 Aufgaben) sowie des schlussfolgernden Denkens (WIT-2 und IST-2000 R) angeführt werden. Außerdem korrelieren die AET Aufgaben erwartungsgemäß mit Markiervariablen der Arbeitsgedächtniskapazität, mit ausgewählten Aufgaben des ABAT-R sowie mit einer Skala zur Erfassung des Persönlichkeitskonstrukt „Perfektionismus“.

Um die diskriminante Validität des AET zu belegen, wurden die Zusammenhänge zu Persönlichkeitsmerkmalen im engeren Sinne (Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit) bestimmt. Wie für einen Leistungstest zu erwarten, zeigten sich keine nennenswerten Korrelationen.

Interessant für die Validierung sind auch die empirische Befunde zur Routine¬Entwicklung / Prozeduralisierung. Schlussfolgerndes Denken korreliert, wie erwartet, signifikant positiv mit der Leistung in den Arbeitseffizienz¬aufgaben. Die Korrelation nimmt aber mit zunehmender Übung ab.

Der Nachweis der Kriteriumsvalidität wurde u.a. anhand der Korrelationen zwischen den Leistungen im AET und der Mathematik- und Deutschnote sowie der Durchschnittsnote des letzten Zeugnisses geführt. Besonders aussagekräftig sind die zusätzlich durchgeführten Studien zum Zusammenhang zwischen dem AET Ergebnis und den Noten in der beruflichen Ausbildung, z. B. der Note im Rechnungswesen. Selbst bei statistischer Kontrolle von schlussfolgerndem Denken und Bearbeitungsgeschwindigkeit blieb der Zusammenhang statistisch bedeutsam. Darüber hinaus konnten Korrelationen zwischen den Leistungen im AET und den Berufsschulnoten, insbesondere den Noten in der Berufstheorie und im Abschlusszeugnis, aufgezeigt werden.

Für eine weitere Validitätsüberprüfung des AET wurde der Ansatz der Extremgruppen genutzt, indem die Leistungen von Personen, die Büroberufe ausüben (Experten), mit den Leistungen von „Novizen“ verglichen wurden. Auch diese Studie führte zu einer Bestätigung der Kriteriumsvalidität des Tests.

Normen

Neben dem normierten Gesamtwert Arbeitseffizienz (N=747) liegen separate Normen für die Aufgabe E-Mails bearbeiten (N=776) und Gehaltsbestimmung (N=770) vor. Die Differenzierungsfähigkeit des Tests ist für den Altersbereich von 14 bis 25 Jahren nachgewiesen. Es liegen separate Normen für die Altersgruppen 14 – 16 Jahre, 17 – 18 Jahre und 19 – 25 Jahre vor, wobei zwischen Schülern mit und ohne (Fach-)Abitur differenziert werden kann.

Bearbeitungsdauer

Die Bearbeitung der Aufgabe EM nimmt 22 Minuten in Anspruch, die Aufgabe GH 28 Minuten, jeweils inklusive der Instruktion. Werden beide Aufgaben eingesetzt, dauert die Testung also 50 Minuten.

Kontakt

Wenn Sie eine Studie mit dem AET durchgeführt haben, können wir über diese Website auf die Studienergebnisse aufmerksam machen. Wir freuen uns besonders, wenn Sie Daten mit dem AET erhoben haben, die Sie für die Testpflege und Normierung zur Verfügung stellen wollen – bitte senden Sie uns eine E-Mail. Auch für Hinweise auf Rezensionen zum AET sowie für jede Art von Tipps zur Verbesserung des AET sind wir sehr dankbar.

Bitte wenden Sie sich an Kristin Conzelmann und / oder Martin Kersting.

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