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Kersting, M. (2008). Qualität in der Diagnostik und Personalauswahl – der DIN-Ansatz. Göttingen: Hogrefe. ISBN: 978-3-8017-2151-0

Cover DIN-Buch

In der Gesellschaft werden beständig Urteile und Prognosen über Menschen getroffen, die häufig in Entscheidungen mit weit reichenden Konsequenzen münden. Zahlreiche dieser Entscheidungen könnten durch den Einsatz psychologischer Diagnostik optimiert werden. Durch eine theoriegeleitete, systematische Datenerhebung, -verarbeitung und -interpretation gelingt es in den meisten Fällen, das Erleben und Verhalten von Menschen besser vorherzusagen, als dies ohne psychologische Diagnostik und/oder mit anderen Mitteln möglich wäre. Dabei erzielen Verfahren der psychologischen Diagnostik (insbesondere Tests) gleich gute bis bessere Validitäten als Verfahren der medizinischen Diagnostik (siehe z. B. Heinrichs, 2005; Meyer, Finn, Eyde, Kay, Moreland, Dies, Eisman, Kubiszyn & Read, 2001).

Unter den zahlreichen Methoden, die von psychologischen Diagnostikern geschaffen und genutzt werden, kommt dem „Test“ eine herausragende Rolle zu. Die Entwicklung und Anwendung von Tests gilt nach Swenson (1997) als die höchste technische Leistung der Psychologie und stellt nach Ansicht der American Educational Research Education (AERA), der American Psychological Association (APA) sowie des National Council on Measurement in Education (NCME) einen der wichtigsten Beiträge der Verhaltenswissenschaften zur Gesellschaft dar (AERA, 1999, S. 1).

In der Praxis wird das Potential der psychologischen Diagnostik nicht ausgeschöpft. Die Diagnostik insgesamt erfolgt häufig nicht regelgerecht. Valide Verfahren, insbesondere Tests, kommen zu selten zum Einsatz und die Kenntnisse der Verantwortlichen sind oft defizitär.

Das vorliegende Buch beschäftigt sich anhand des Beispiels der Eignungsdiagnostik (z. B. Personalauswahl) mit den Ursachen mangelnder Qualität in der Diagnostik und erarbeitet konkrete Vorschläge zur Qualitätssicherung und -optimierung.

  • Im ersten Kapitel wird am Beispiel der Personalauswahl die Diskrepanz zwischen Anwendungshäufigkeit und Validität diagnostischer Verfahren aufgezeigt. Darüber hinaus wird herausgearbeitet, welche Qualitäts- und Kenntnisdefizite in der (eignungs-)diagnostischen Praxis herrschen. Diesem Mangel könnte durch die Einhaltung von Qualitätsstandards abgeholfen werden.
  • Bereits bestehende Qualitätsstandards werden im zweiten Kapitel vorgestellt und in eine Systematik gebracht. Die Praxis scheint derartige Qualitätsstandards allerdings bislang weitgehend zu ignorieren.
  • Mögliche Ursachen für den mangelhaften Wissenstransfer von der Wissenschaft zur Praxis werden im dritten Kapitel erörtert, wobei auch Vorschläge zur Verbesserung des Wissenstransfers eingebracht werden.
  • Im Vordergrund der Arbeit steht die sogenannte „DIN 33430“ (DIN, 2002), eine Norm des Deutschen Instituts für Normung e. V. Die DIN 33430 wurde im Jahr 2002 veröffentlicht und formuliert „Anforderungen an Verfahren und deren Einsatz bei berufsbezogenen Eignungsbeurteilungen.“ Die Norm, ihre Entstehung und ihre rechtliche Bedeutung werden im vierten Kapitel thematisiert, welches auch den Qualitätsbegriff derartiger Normen reflektiert.
  • Das Verfahren zur Erarbeitung von DIN-Normen sieht vor, dass vor der Veröffentlichung der eigentlichen Norm ein Norm-Entwurf, der sogenannte „Gelbdruck“ (DIN, 2000) zur Diskussion gestellt wird. Interessierten Kreisen wird dadurch die Möglichkeit eröffnet, Einsprüche gegen die Norm vorzubringen. Das fünfte Kapitel analysiert die gegen den Gelbdruck der DIN 33430 vorgebrachten Einsprüche.
  • Im sechsten Kapitel wird die Kritik wiedergegeben, die gegen die verabschiedete Fassung der Norm vorgebracht wurde. Besondere Bedeutung für die Praxis dürfte dem Abschnitt 6.2 zukommen: Neben der Kritik, die ihren Ursprung in der DIN 33430 nimmt (Abschnitt 6.1), wird die DIN 33430 häufig aufgrund von Fehlinformationen, Missverständnissen und Fehlinterpretationen auf Seiten der Kritiker beanstandet. Soweit diese Missverständnisse weit verbreitet sind, werden sie im Abschnitt 6.2 dargestellt und ausgeräumt. Darüber hinaus formuliert der Autor im Abschnitt 6.3 seine eigene Kritik an der DIN 33430.
  • Mittlerweile hat die DIN 33430 zahlreiche Begleit- und Folgemaßnahmen nach sich gezogen, die im Kapitel 7 referiert werden. Checklisten ermöglichen ein rasches Screening, ob die Prozesse den Anforderungen der DIN 33430 genügen (Abschnitt 7.1). Darüber hinaus gibt es, wie in Abschnitt 7.2 dargestellt, die Möglichkeit Fortbildungen zu besuchen und eine Personenlizenz für berufsbezogene Eignungsbeurteilungen nach DIN 33430 zu erwerben. Organisationen können durch Zertifikate nachweisen, dass ihre Organisation bestimmten Qualitätsforderungen gerecht wird (Abschnitt 7.3). Über den Bezug der DIN 33430 zur Beurteilung von Testverfahren wird in Abschnitt 7.4 und über die Internationalisierung der DIN 33430 in Abschnitt 7.5 berichtet.

Begleit- und Folgemaßnahmen zur DIN 33430

Fortbildungen und Lizenzprüfungen zur Personenlizenzierung für berufsbezogene Eignungsbeurteilungen

aus: Kersting, M. (2008). Qualität in der Diagnostik und Personalauswahl – der DIN Ansatz. Göttingen Hogrefe.

 
  • Das achte Kapitel zieht ein Fazit und gibt einen Ausblick auf die Zukunft der Qualitätssicherung und -optimierung im Bereich der beruflichen Eignungsbeurteilung.
  • Der Anhang gibt die so genannte DIN Screen wieder, eine Checkliste zur DIN 33430, die in Abschnitt 7.1 vorgestellt wurde. Der Inhalt der DIN 33430 wird in Form von sechs thematisch geordneten Checklisten (z. B. Thema Anforderungsanalyse) so aufbereitet, dass er sich leicht für die Praxis nutzen lässt. Mit Hilfe der Checklisten lässt sich schnell und einfach prüfen, ob die eigenen Prozesse den Qualitätsstandards gerecht werden bzw. welche konkreten Optimierungsmöglichkeiten bestehen. Eine besondere Bedeutung kommt der Checkliste 1 zu: Sie gilt offiziell als „Standard zur Information und Dokumentation von Instrumenten zur Erfassung menschlichen Erlebens und Verhaltens des Testkuratoriums der Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen“ (siehe Abschnitt 7.4). Bei den Checklisten im Buch handelt es sich um eine überarbeitete und verbesserte Version (Version 2) der bereits 2006 publizierten DIN Screen. Weitere Informationen unter: DIN-Screen.

Begleit- und Folgemaßnahmen zur DIN 33430

Checklisten zur DIN 33430 – Beispiel
[DIN33430] Checklisten zur DIN 33430 - Beispiel

aus: Kersting, M. (2008). DIN Screen, Version 2. Leitfaden zur Kontrolle und Optimierung der Qualität von Verfahren und deren Einsatz bei beruflichen Eignungsbeurteilungen. In: M. Kersting, Qualität in der Diagnostik und Personalauswahl – der DIN Ansatz (S. 141-210). Göttingen: Hogrefe. Weitere Informationen siehe hier.


Begleit- und Folgemaßnahmen zur DIN 33430

Checklisten zur DIN 33430 – DIN-SCREEN
[DIN33430] Begleit- und Folgemaßnahmen zur DIN 33430

aus: Kersting, M. (2008). DIN Screen, Version 2. Leitfaden zur Kontrolle und Optimierung der Qualität von Verfahren und deren Einsatz bei beruflichen Eignungsbeurteilungen. In: M. Kersting, Qualität in der Diagnostik und Personalauswahl – der DIN Ansatz (S. 141-210). Göttingen: Hogrefe. Weitere Informationen siehe hier.

Das Buch ist das Resultat einer zehnjährigen Auseinandersetzung mit dem Thema Qualitätssicherung und -optimierung in der Eignungsdiagnostik durch eine DIN-Norm sowie durch Begleit- und Folgeinitiativen zu dieser Norm. Über die DIN 33430 ist bereits verschiedentlich publiziert worden, die einzelnen Argumentationen werden im vorliegenden Buch in einen Gesamtrahmen eingefügt und aufgrund ihrer zwischenzeitlichen Diskussionen in der Fachwelt zum Teil in einer modifizierten und erweiterten Form wieder gegeben. Das Besondere an dem Buch besteht darin, die Einzelinitiativen, die alle unter aktiver Mitarbeit des Autors erarbeitet wurden, zu einem Gesamtprogramm der Qualitätssicherung und -optimierung in der Eignungsdiagnostik zu integrieren und dabei auch dessen Grenzen kritisch zu diskutieren. Dabei wird besonders auch die Perspektive der Anwender berücksichtigt, und die Erkenntnisse der Ziel- und Handlungstheorien werden auf die Steuerung diagnostischer Prozesse angewandt, damit Qualität nicht nur im Rückblick bewertet, sondern von Anfang an aktiv gestaltet werden kann (siehe Kapitel 3).

Der Fokus der Arbeit liegt auf der Eignungsdiagnostik (z. B. Personalauswahl), die DIN 33430 bezieht sich ausschließlich auf die Eignungsbeurteilung. In anderen Anwendungsbereichen der Diagnostik, beispielsweise im Bereich der Klinischen Psychologie und Psychotherapie, existieren allerdings Initiativen, die nach Einschätzung von Fydrich, Kröner-Herwig und Tuschen (2003) vergleichbare Ziele wie die DIN 33430 verfolgen. Daher können die Aufbereitungen auch
für andere Anwendungsbereiche der Psychologischen Diagnostik von Interesse sein. Das Kapitel 2 referiert Qualitätsstandards aus allen Bereichen der psychologischen Diagnostik. Die Probleme des mangelhaften Wissenstransfers (Abschnitt 1.2 und Kapitel 3), die Methode der Qualitätssicherung durch Checklisten (Abschnitt 7.1), die Kritik an Prozessen der Qualitätssicherung (Kapitel 5 und 6) sowie die Ausführungen zu Kenntnisdefiziten (Abschnitt 1.2) einerseits und Fortbildungsmöglichkeiten (Abschnitt 7.2) andererseits sind in generalisierter Form auf andere Bereiche anwendbar. Die Qualitätssicherung im Bereich psychologischer Tests (Abschnitt 7.4) bezieht sich explizit auf Tests aus allen Anwendungsgebieten und ist nicht auf eignungsdiagnostische Tests begrenzt.

Zahlreiche Informationen sind in Tabellen oder Abbildungen anschaulich aufbereitet, ein Glossar erleichtert die Arbeit mit dem Buch.

Zur Ansicht der Gliederung (inkl. Abbildungs- und Tabellenverzeichnis) siehe Downloads.